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Lausitzer Kommunen fühlen sich vom Land im Stich gelassen

Kolkwitz, den 14.05.2019


Sorgenvoll blicken Lausitzer Bürgermeister in die Zukunft. Die hochallergene Ambrosiapflanze breitet sich seit Jahren nahezu ungebremst im Lausitzer Süden aus. In Bronkow holte der Ambrosiakoordinator am 9. Mai 2019 die betroffenen Kommunen an einen Tisch. Was Matthias Hoffmann hier erklärte, war für die Bürgermeister ein Schreckensszenario.
So dehnt sich die Ambrosiapflanze derzeit vor allem in Südfrankreich, Norditalien und in Ungarn aus. In Ungarn sind mittlerweile 80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen betroffen. Und noch schlimmer: Zehn bis 20 Prozent der ungarischen Bevölkerung haben Probleme mit Pollen. So ist Ungarn das Beispiel, das zeigt was passiert, wenn nichts unternommen wird. Für den Drebkauer Bürgermeister Paul Köhne ist das Schreckensszenario bereits Realität. So werden in der Stadt regelmäßig die Pollen in der Luft erfasst und in ein Labor gebracht. Zur Blütezeit wird hier ein dreistelliger Wert pro Kubikmeter gemessen. Dabei reichen 10 Pollen pro Kubikmeter Luft bereits für eine allergene Reaktion aus. So wird dieser Schwellwert bereits heute um ein vielfaches überschritten. Dies bestätigt auch Nadine Wegener, Leiterin des Fachbereiches Ordnung und Soziales in Vetschau. Auch hier werden die umherfliegenden Pollen erfasst. Auch Vertreter der Stadt Lübbenau saßen mit in der Runde. Vom Süden breitet sich die Ambrosiapflanze Richtung Berlin aus.
Bürgermeister Paul Köhne ist sauer auf die Landesregierung: „Seit Jahren geht es nur um das Registrieren und Archivieren. Es passiert aber nichts bei der Bekämpfung. Ohne finanzielle Mittel kommen wir nicht weiter“, sagt er ernüchtert und mit Wut im Bauch. Von der Landesregierung fühlen sich die betroffenen Kommunen im Stich gelassen. So gibt es weder
finanzielle Haushaltsmittel zur Bekämpfung der Ambrosiapflanze noch ein federführendes Ministerium. Dass etwa das Gesundheitsministerium mit Blick auf Ungarn kaum Eigeninitiative bei der Bekämpfung zeigt, verwundert in der Lausitz sehr. So haben die Kommunen das Gefühl, dass hier die Daseinsvorsorge nicht ernst genommen werde und es lediglich Alibi-Handlungen gebe, wenn Druck aus der Lausitz kommt. Eine solche Handlung ist etwa eine neue Ambrosiaverordnung, die auf Wunsch zehn Lausitzer Kommunen derzeit erstellt wird. Mit dieser soll es eine Bekämpfungspflicht auch bei privaten Flächen geben. Auf weitere Maßnahmen konnten sich die Landtagsfraktionen nicht einigen. Die Hauptforderungen des Lausitzer Positionspapieres bleiben unerfüllt und die Verantwortung wird auch mit der kommenden Verordnung auf die Kommunen geschoben. Martin Mathow, Leiter des Fachbereiches Ordnung in Kolkwitz erklärt: „Wir haben gar nicht das Personal. Wir sind schon mit der Entfernung von Ambrosia auf den Gemeindeflächen beschäftigt. Jetzt sollen wir auch noch die Bekämpfung auf Privatgrundstücken überwachen. Das wird nichts werden“, prophezeit er. Er hätte sich gewünscht, dass diese Überwachung der Verordnung eine untere Landesbehörde wie etwa der Kreis übernimmt.
Der Ambrosiakoordinator Matthias Hoffmann erklärt, dass die Kommunen nicht aufgeben sollen. Zu dem was die Landesregierung derzeit auf den Weg bringen will, erklärt er: „Wenn das so kommt, ist das nicht optimal“. Nach dem Treffen waren die Vertreter der Kommunen sich darin einig, dass von der Landesregierung und den Landtagsfraktionen keine nennenswerte Unterstützung bei der Ambrosiabekämpfung zu erwarten ist. „An dem Treffen hätte von jedem Ministerium ein Entscheidungsträger teilnehmen müssen, um einen konkreten Fahrplan und ein Konzept für die kommenden Jahre zu erarbeiten“, sagte Martin Mathow. So werde sich die Pflanze Jahr für Jahr weiter ausdehnen und die Gesundheit der Menschen gefährden.
Informationen zur Ambrosiapflanze:
Kaum eine Pflanze ist so ein gefährlicher Auslöser für Allergien wie Ambrosia. Ein Großteil der Menschen reagiert sensibel auf deren Pollen. Allergien können schwerwiegende gesundheitliche Schäden verursachen, die von einer Bindehautentzündung über Heuschnupfen, juckenden Ekzemen bishin zu Asthma- Anfällen reichen.

 

 

Foto: Beim Bronkower Treffen der Lausitzer Kommunen die von Ambrosia betroffen sind, wurde auch ein neues Bekämpfungsmittel vorgestellt. Dieses Gerät, welches einem Rasenmäher ähnelt, soll dank hochfrequenter Hochspannung die Ambrosiapflanze bis in die Wurzel schädigen. Bis zur Marktreife werden noch ein paar Jahre vergehen. Foto: Gemeinde Kolkwitz